Kultursommer Rheinland-Pfalz: "SOS 1928! - Männer, die vom Fliegen träumen" & "The Roaring Twenties"
Auch in diesem Jahr ist der Landkreis Kusel wieder Teil des Kultursommers Rheinland-Pfalz, das in diesem Jahr unter dem Motto "Die goldenen Zwanziger" steht.
"SOS 1928! - Männer, die vom Fliegen träumen"
Live-Hörspiel mit Chormusik gastiert in Kusel und Offenbach-Hundheim – weitere Aufführung in Idar-Oberstein
Mit „SOS 1928! – Männer, die vom Fliegen träumen“ erwartet das Publikum im August 2026 ein außergewöhnliches Live-Hörspiel, das Schauspiel, Musik, Chorgesang, Geräuschkunst sowie ein atmosphärisches Licht- und Soundkonzept miteinander verbindet. Aufführungen finden am 22. August in Kusel, am 23. August in Offenbach-Hundheim und am 30. August in Idar-Oberstein statt.
Rom im Jahr 1928: Benito Mussolini entdeckt das Radio als neues Medium für seine Propaganda. Doch die Geschichten, die über den Äther verbreitet werden, brauchen tollkühne Helden. Der opportunistische Kapitän Umberto Nobile und seine Crew brechen deshalb zu einem ebenso waghalsigen wie größenwahnsinnigen Unternehmen auf: Mit einem Luftschiff wollen sie den Nordpol erreichen.
Zwischen Madonna und Mussolini, Eierlikör und Eisbären, Kommunisten und Kannibalen gerät die Expedition schon bald in heftige Turbulenzen. Dabei ist Nobile doch eigentlich nur ein kleiner Mann, der vom Fliegen träumt.
Kopfkino für die Ohren
Ein Live-Hörspiel lässt seine Bilder unmittelbar in den Köpfen des Publikums entstehen. Bei „SOS 1928!“ erwecken fünf Sprecherinnen und Sprecher gemeinsam mit der Live-Geräuschemacherin Simone Nowicki, dem Kammerchor Plus Obere Nahe und einem Instrumentalensemble die Geschichte auf der Bühne zum Leben. Klavier, Violine und Percussion, Chormusik, Geräusche sowie ein eigens entwickeltes Licht- und Sounddesign schaffen eine dichte Atmosphäre.

Die musikalische Gesamtleitung liegt bei Roland Lißmann. Für Text und Regie zeichnet Andreas Reinhart verantwortlich, der das Stück gemeinsam mit Philipp Neuweiler geschrieben hat. Die Produktion ist an wahre Begebenheiten angelehnt und zugleich vom ältesten erhaltenen Hörspiel deutscher Sprache inspiriert. Die Hörspielgruppe Mienenspiel verwandelt den historischen Stoff in eine moderne und turbulente Komödie.
Die Spieldauer beträgt rund 90 Minuten. Gespielt wird ohne Pause.
| Spieltermine | |
| Samstag, 22.08.2026, 19 Uhr | Fritz-Wunderlich-Halle |
| Sonntag, 23.08.2026, 19 Uhr | Abteikirche Offenbach |
| Sonntag, 30.08.2026, 19 Uhr | Messehalle Idar-Oberstein |
Besetzung:
Auf der Bühne
Jannika Fricke | Sprecherin (Titina)
Torsten Graefe | Sprecher (Nobile)
Christian M. Roth | Sprecher (Amundsen, Biagi)
Thorsten Schlicht | Sprecher (Zappi, Reporter, Kapitän)
Philipp Neuweiler | Sprecher (Malmgren, Mussolini)
Simone Nowicki | Live-Geräusche
Steffen Astheimer | Piano, Arrangements
Laura Biedermann | Violine, Percussion
Kammerchor Plus Obere Nahe
Hinter der Bühne
Andreas Reinhart | Autor, Regie
Philipp Neuweiler | Autor, Grafik, Koordination
Roland Lißmann | Musikalische Leitung
Lukas Herzog | Technische Leitung
Asita Rassapour | Regieassistenz, Social Media
Ina Schimetschka | Sound Design und Atmos
Christian Simon | Licht
Silvia Schlicht | Social Media
Corina Molz | Kreisverwaltung Kusel
Annette Strohm | Stadtverwaltung Idar-Oberstein
Beginn: 19:00 Uhr, Einlass: ab 18:30 Uhr
Eintritt: 30,- Euro, ermäßigt 20,- Euro
Kartenvorverkauf im Bürgerbüro der Kreisverwaltung Kusel, online unter www.mienenspiel.org, www.ticket-regional.de und www.reservix.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen
Starke regionale Zusammenarbeit
„SOS 1928!“ ist eine Kooperation des Landkreises Kusel, der Stadt Idar-Oberstein, des Kirchenkreises Obere Nahe, des Kammerchors Plus Obere Nahe und des Mienenspiel e. V.
Gefördert wird das Projekt vom Kultursommer Rheinland-Pfalz, der Sparkassenstiftung Kuseler Musikantenland, der Kreissparkasse Birkenfeld, der Zukunftsregion Westpfalz, dem Rotary Club Kusel, der Bürkle-Stiftung, der IGM GmbH, der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz, der OIE AG und Effgen Schleiftechnik.

The Roaring Twenties - Stummfilm, Revue, Avantgarde
Die 20er Jahre sind musikalisch eine ungemein spannende Zeit – doch auch der Film erlebte in diesen Jahren eine erste Blüte. Zum Ende des Jahrzehnts begann der Tonfilm, den Stummfilm zu verdrängen, doch bis dahin waren Stummfilme mit Live-Begleitung eines Ensembles üblich. „L’horloge magique“ („Die Wunderuhr“) und „La forêt enchantée“ („Der Zauberwald“) von Władysław Starewicz nehmen in der damaligen Filmproduktion eine Ausnahmestellung ein, da Starewicz zu den Pionieren des Puppen-Animationsfilms gehörte, insbesondere mit der hierfür verwendeten Stop-Motion-Technik. Die beiden Filme zählen zu Starewiczs besten Werken und werden durch die Musik von Paul Dessau auf das Bild hin abgestimmt unterstützt. Paul Dessau war im Übrigen von 1923-1925 Kapellmeister in Mainz, die arrangierte und rekonstruierte Fassung der Filmmusik (für Klarinette, Violine, Violoncello, Kontrabass, Akkordeon und Schlagzeug) stammt von dem im Mainz lebenden Komponisten und Arrangeur Bernd Thewes.

Zur Avantgarde gehörte auch Paul Hindemiths Kammermusik op. 24 Nr. 1 für zwölf Musiker. Das Stück mit seiner eigentümlichen Besetzung erlebte seine Uraufführung 1922 im zweiten Jahr der Donaueschinger Musiktage und provozierte einen Skandal, wonach Hindemith als „Bürgerschreck“ bezeichnet wurde. Die Musik wurde vom Kritiker Heuß 1923 wie folgt beschrieben: „Es ist erreicht! Der modernen deutschen Musik ist es endlich gelungen, das heutige Leben dort zu fassen, wo es sich am frivolsten und gemeinsten austobt. […] Man steht seiner Musik gegenüber, wie sie zu denken, geschweige zu schreiben, noch nie ein deutscher Komponist von künstlerischer Haltung gewagt hat, einer Musik von einer Laszivität und Frivolität, die nur einem ganz besonders gearteten Komponisten möglich sein kann.“ Hindemiths Werk begeistert durch seine Motorik, die an Strawinsky erinnert, greift aber im letzten Satz auch auf einen Foxtrott zurück.
Denn die Tanzmusik prägte die 20er Jahre noch mehr als die avantgardistischen Experimente. Bohuslav Martinů hat einige davon in seinem Ballett „La revue de cuisine“ (1928) aufgenommen. Wie Starewicz hatte es Martinů in das pulsierende Paris verschlagen. Mit einer Prise Ironie versehen ließ Martinů im Ballett Topf, Deckel, Schneebesen, Scheuerlappen und Besen tanzen. In der für dieses Projekt vorgesehenen „Jazzsuite“ hat Martinů das Ballett für den Konzertsaal adaptiert. Ähnlich wie Hindemith weist auch Martinů in der Sextett-Besetzung aus Violine, Violoncello, Klarinette, Fagott, Trompete und Klavier auf die späteren freien Instrumentationen in der neuen Musik voraus. Die Märsche, der Tango und der Charleston lassen die Tanzmusik der 20er Jahre in ein kunstvoller Weise auch heute noch im Konzertsaal erfahrbar werden.
Projektleitung und Idee: Achim Seyler & Kathrin Isabelle Klein
Ein Konzert im Rahmen des Kultursommers RLP 2026 in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Aktuelle Klangkunst Trier e. V. und 2eleven music film
